Wie verändert sich die Übersetzung in Leichte Sprache?
Seit 2015 gibt es das Büro für Leichte Sprache der Lebenshilfe Hamburg. Wir bieten Übersetzungen und Fortbildungen rund um Leichte Sprache an, haben an zwei Regelwerken mitgearbeitet und treffen jede Woche unsere Prüfgruppe: Menschen mit Behinderung, die unsere Texte lesen und mit uns darüber sprechen.
Eines wissen wir sicher: Leichte Sprache schreiben ist Arbeit.
Es braucht viel Zeit und Erfahrung, um Texte am Ende so leicht aussehen zu lassen, dass sie für viele Menschen gut zugänglich sind. Und seit Leichte Sprache immer bekannter und beliebter ist, steigt die Nachfrage enorm: Unser Büro und viele andere können gar nicht mehr alle Aufträge bedienen, denn die Anzahl an Übersetzer:innen ist begrenzt. Künstliche Intelligenz ist aktuell die große Hoffnung, um diese Lücke zu schließen und es werden bereits verschiedene Modelle erprobt.
Wie schätzen wir diese Möglichkeit ein?
Fragen wir doch zuerst einmal ChatGPT:

Es ist wichtig zu beachten, dass die Wahl zwischen KI und menschlichen Übersetzern von verschiedenen Faktoren abhängt, einschließlich des spezifischen Übersetzungsauftrags, der Zielgruppe und des verfügbaren Budgets. Oft kann eine Kombination aus beiden Ansätzen die besten Ergebnisse liefern.
Quelle: GPT-3.5 https://chat.openai.com/
Und was sagt die menschliche Übersetzerin?
ChatGPT hat unsere Kompetenzen schon recht gut getroffen:
- KI ist schnell, günstig und fast unbegrenzt verfügbar – das bin ich nicht. Ich bin dafür kreativer, genauer und habe ständigen Kontakt zur Zielgruppe: So kann ich die Informationen passend zuschneiden und das ist ein wesentlicher Baustein von Verständlichkeit.
- KI neigt dazu, Dinge zu erfinden oder leicht abgewandelt wiederzugeben. Sie liefert immer Konsistenz und manchmal tut sie das auf Kosten des Wahrheitsgehalts. Ich muss korrekte Konsistenz liefern und das bedeutet Recherche, Anrufe, Korrekturschlaufen – kurz: Zeit.
Genau das ist ein Punkt, der das menschliche Übersetzen aufwendiger macht.
Das sind nur zwei wichtige qualitative Unterschiede – und trotzdem sehen wir KI als große Chance für die Zukunft.
Übersetzen mit KI: Wer testet, wird schlauer
Es gibt inzwischen mehrere KI-Produkte zur Texterstellung und einige werden speziell für Leichte Sprache angeboten. Wir testen natürlich alle – zum Beispiel: SUMM AI und LEICHTE SPRACHE.IO.
Diese KIs sind für Leichte Sprache entwickelt und trainiert. Sie werden zum Kauf angeboten mit der Idee, das Übersetzen per Hand zu beschleunigen, indem sie einen ersten leichten Entwurf liefern.
Bei beiden Produkten ist zunächst beeindruckend, dass sie in sehr kurzer Zeit tatsächlich Informationen reduzieren und die Regeln der Leichten Sprache anwenden können. Aber dann geht es an das Nacharbeiten per Hand und das kann je nach Thema unterschiedlich aufwendig sein: Einige Themen kann KI schon gut, bei anderen Themen kann es aber falsche Informationen oder seltsame inhaltliche Verknappungen geben und genau hier wird es knifflig: Wieviel Zeit spare ich als erfahrene Übersetzungskraft, wenn ich KI-Texte korrigiere? Das ist sehr verschieden und gerade bei der Aufbereitung von komplexen Themen bin ich in meiner eigenen Textlogik bisher schneller. Aber das kann sich ändern, wenn KI weiterhin besser wird.
Fazit: In der Masse gewinnt KI – in der Genauigkeit der Mensch.
In Zukunft werden wir beide brauchen: Für besonders wichtige Texte wird es sicher weiterhin manuelle Übersetzungen brauchen, die ein Thema zielgerichtet und passgenau für die Menschen mit Behinderung aufbereiten können. Aber in der massenhaften Übersetzung kann KI punkten – sie muss dafür nur noch etwas dazu lernen. Und wir müssen uns auf neue Verfahren in der Übersetzung mit Mensch und KI einigen, um weiterhin gute Ergebnisse zu produzieren. Ein wichtiger Schritt sind Fortbildungen zu Leichter Sprache: Sie können Menschen befähigen, das Ergebnis einer KI besser inhaltlich zu bewerten und zu korrigieren.

