Leichte Sprache folgt bald

Britt Uhlenbrok Jensen, Betriebswirtin (B.A.), Projektleitung #LeichtOnline

Zwischen formaler Barrierefreiheit und tatsächlicher Nutzbarkeit

Partizipation als Qualitätskriterium digitaler Angebote

Abstract

Die Gestaltung barrierefreier digitaler Angebote orientiert sich häufig an normativen Vorgaben und technischen Standards wie der BITV 2.0 oder den Web Content Accessibility Guidelines (WCAG). In der Praxis zeigt sich jedoch, dass die Erfüllung formaler Anforderungen nicht automatisch zu einer verständlichen und selbstständigen Nutzung führt, insbesondere für Menschen mit Lernbehinderung. Der Beitrag nimmt diese Diskrepanz zum Ausgangspunkt und zeigt, dass Qualität barrierefreier digitaler Angebote erst im Zusammenspiel von formalen Standards, technischer Umsetzung und der Perspektive der Nutzer:innen entsteht.

Anhand des Projekts #LeichtOnline wird dargestellt, wie Partizipation als kontinuierliches Strukturprinzip in der Entwicklung und Bewertung digitaler Angebote verankert werden kann. Die Erfahrungen aus Projektbeirat und Usability-Tests verdeutlichen, dass zentrale Verständnishürden – etwa in den Bereichen Navigation, Seitenstruktur und Orientierung – häufig erst durch die aktive Einbindung der Zielgruppe sichtbar werden. Zugleich wird deutlich, dass partizipative Arbeit selbst ein lernender Prozess ist, der Zeit, Ressourcen und geeignete Rahmenbedingungen erfordert.

Vor diesem Hintergrund gewinnt Partizipation insbesondere im Zusammenhang mit dem Einsatz KI-gestützter Systeme an Bedeutung. Sie wirkt als notwendiges Korrektiv, um formale Barrierefreiheit nicht mit tatsächlicher Verständlichkeit gleichzusetzen und digitale Angebote an realen Nutzungskontexten auszurichten.

Zwischen formaler Barrierefreiheit und tatsächlicher Nutzbarkeit

Partizipation als Qualitätskriterium digitaler Angebote

1Einleitung

Die Gestaltung barrierefreier digitaler Angebote wird zunehmend durch normative Vorgaben, technische Standards und formale Kriterien geprägt. Regelwerke wie die Barrierefreie-Informationstechnik-Verordnung (BITV 2.0) oder die Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) tragen wesentlich dazu bei, rechtliche und technische Mindestanforderungen an digitale Zugänglichkeit zu definieren. Für bestimmte Formen von Beeinträchtigungen, insbesondere im Bereich der Wahrnehmung oder Motorik, ermöglichen diese Vorgaben in vielen Fällen bereits deutliche Verbesserungen der Zugänglichkeit. Dies hängt unter anderem damit zusammen, dass entsprechende Barrieren häufig technisch klar beschreibbar sind und sich durch standardisierte Lösungen adressieren lassen. Gleichzeitig lässt sich in der Praxis beobachten, dass die Erfüllung dieser Anforderungen nicht automatisch zu einer tatsächlichen Nutzbarkeit für alle Zielgruppen führt. Insbesondere Menschen mit Lernbehinderung stoßen trotz formal barrierefreier Umsetzungen weiterhin auf erhebliche Verständnishürden, etwa in Bezug auf Navigation, Seitenstruktur und Orientierung.

Vor diesem Hintergrund rückt Partizipation verstärkt in den Fokus fachlicher Auseinandersetzungen. Beteiligung wird dabei nicht ausschließlich als normativer Anspruch oder Ausdruck von Inklusion verstanden, sondern als Möglichkeit, digitale Angebote an realen Nutzungserfahrungen auszurichten. Durch die Einbindung von Nutzer:innen lassen sich Annahmen über Verständlichkeit, Nutzbarkeit und Relevanz überprüfen und weiterentwickeln.

Der Beitrag greift diese Perspektive auf und behandelt Partizipation als Qualitätskriterium barrierefreier digitaler Angebote mit einem besonderen Fokus auf Menschen mit Lernbehinderung. Nach einer begrifflichen Einordnung von Partizipation und der Darstellung spezifischer Anforderungen an Beteiligungsprozesse wird anhand des Projekts #LeichtOnline aufgezeigt, wie partizipative Ansätze in der Praxis umgesetzt werden können. Ziel ist es, darzustellen, welchen Beitrag kontinuierliche Beteiligung zur Qualitätssicherung leisten kann, insbesondere dort, wo formale Kriterien an ihre Grenzen stoßen.

2Partizipation als Qualitätskriterium barrierefreier Angebote

2.1Begriff und Verständnis von Partizipation

Partizipation hat sich in den vergangenen Jahren als zentraler Begriff in der Entwicklung politischer, sozialer, pädagogischer und digitaler Angebote etabliert. Gemeint ist damit nicht lediglich die Anwesenheit oder Anhörung von Zielgruppen, sondern deren aktive Einbindung in Entscheidungs- und Gestaltungsprozesse. In fachlichen Diskussionen wird Partizipation häufig als mehrstufiges Konzept beschrieben, das sich insbesondere darin unterscheidet, welchen tatsächlichen Einfluss Beteiligte auf Entscheidungen haben.

In vielen Zusammenhängen wird zur Einordnung von Partizipation auf Stufenmodelle zurückgegriffen, die unterschiedliche Formen und Grade von Beteiligung beschreiben. In praxisnahen Kontexten werden solche Modelle häufig vereinfacht, um Beteiligungsprozesse handhabbar zu machen. Die hier verwendete Unterscheidung in Informieren, Mitwirken und Mitentscheiden folgt diesem Ansatz und dient vor allem der strukturellen Orientierung.

Die drei Stufen lassen sich wie folgt beschreiben:
Informieren bezeichnet die transparente Vermittlung von Zielen, Inhalten und Entscheidungsrahmen.
Mitwirken umfasst Beteiligungsformen, bei denen Rückmeldungen gegeben, Bewertungen vorgenommen oder Vorschläge eingebracht werden können.
Mitentscheiden beschreibt Formen der Beteiligung, bei denen Beteiligte tatsächlichen Einfluss auf Entscheidungen oder Prioritäten haben.

Für die Entwicklung barrierefreier digitaler Angebote ist diese Differenzierung insofern hilfreich, als sie verdeutlicht, dass Partizipation nicht als binärer Zustand („beteiligt“/ „nicht beteiligt“) verstanden werden kann. Gleichzeitig wird deutlich, dass die konkrete Ausgestaltung der einzelnen Stufen stark vom jeweiligen Kontext und von den beteiligten Zielgruppen abhängt. Ein solches Verständnis findet sich auch in Ansätzen der nutzerzentrierten Gestaltung, bei denen die Perspektiven von Nutzer:innen als Grundlage für tragfähige Lösungen betrachtet werden.

2.2Partizipation von Menschen mit Lernbehinderung

Die Einbindung von Menschen mit Lernbehinderung in Beteiligungsprozesse stellt besondere Anforderungen an deren Gestaltung. Die beschriebenen Stufen der Partizipation unterscheiden sich dabei weniger in ihrer grundsätzlichen Logik als in der Art und Weise, wie sie ermöglicht werden. Partizipative Prozesse sind in ihrer üblichen Ausgestaltung häufig selbst nicht barrierefrei und mit einem hohen Maß an Komplexität verbunden. Dadurch entstehen zusätzliche Hürden, etwa durch abstrakte Abläufe, vorausgesetztes Vorwissen oder schwer zugängliche Kommunikationsformen. In der Praxis zeigt sich daher, dass Beteiligung häufig nicht am fehlenden Interesse scheitert, sondern an unzureichend angepassten strukturellen, kommunikativen oder institutionellen Rahmenbedingungen.

Bereits die Stufe des Informierens erfordert eine verständliche, nachvollziehbare und dialogische Aufbereitung von Informationen, insbesondere in Leichter Sprache. Informieren ist in diesem Zusammenhang kein einmaliger Schritt, sondern ein fortlaufender Prozess, der Raum für Rückfragen, Wiederholungen und gemeinsame Klärungen eröffnet. Informationen müssen so aufbereitet sein, dass Ziele, Abläufe und Entscheidungsrahmen nachvollziehbar werden. Erst wenn Beteiligte verstehen, worum es geht und welche Rolle sie einnehmen können, wird Beteiligung überhaupt möglich.

Auch Formen der Mitwirkung sind auf unterstützende Rahmenbedingungen angewiesen. Rückmeldungen entstehen häufig nicht spontan, sondern entwickeln sich im Verlauf des gemeinsamen Arbeitens. Zeit zum Verstehen, zum Reflektieren und zum Formulieren eigener Einschätzungen ist dabei zentral. Kurze Termine, abstrakte Fragestellungen oder stark verdichtete Formate können Beteiligung erschweren. Moderation, Wiederholungen, Nachfragen sowie das Sichtbarmachen von Beiträgen – etwa durch Visualisierungen oder Zusammenfassungen – tragen dazu bei, Mitwirkung zu ermöglichen und unterschiedliche Perspektiven einzubeziehen.

Darüber hinaus ist zu berücksichtigen, dass viele Menschen mit Lernbehinderung bislang nur begrenzte Erfahrungen mit Beteiligung an Entscheidungs- und Gestaltungsprozessen gemacht haben. Entscheidungen wurden häufig über sie hinweg getroffen oder waren nur eingeschränkt beeinflussbar. Diese Erfahrungen wirken sich auf Erwartungen, Rollenverständnis und Handlungssicherheit in Beteiligungssituationen aus. Zurückhaltendes, abwartendes oder unsicheres Verhalten ist vor diesem Hintergrund nicht als mangelndes Interesse zu verstehen, sondern als nachvollziehbare Folge fehlender Beteiligungserfahrungen und als Ergebnis langjähriger Exklusionsprozesse.

Partizipation setzt zudem bestimmte Handlungskompetenzen voraus, etwa die Fähigkeit, eigene Einschätzungen zu formulieren, Alternativen zu vergleichen oder Prioritäten zu benennen. Diese Kompetenzen sind nicht selbstverständlich vorhanden, sondern entwickeln sich häufig erst im Verlauf kontinuierlicher Beteiligung. Partizipation ist daher nicht nur ein methodisches Vorgehen, sondern auch ein Lern- und Entwicklungsprozess, der Zeit, Wiederholung und verlässliche Rahmenbedingungen erfordert.

Besondere Anforderungen ergeben sich bei Formen des Mitentscheidens. Entscheidungsoptionen und deren mögliche Folgen müssen nachvollziehbar dargestellt und gemeinsam eingeordnet werden. Ziel ist dabei, die für Entscheidungen relevanten Informationen zu identifizieren, verständlich aufzubereiten und in ihrem Zusammenhang darzustellen, sodass Entscheidungsoptionen nachvollziehbar werden.

Die Perspektiven von Menschen mit Lernbehinderung lassen sich in diesem Zusammenhang nicht als rein subjektive Meinungsäußerungen verstehen, sondern als eigenständige Form von Erfahrungs- und Nutzungsexpertise. Sie geben Aufschluss darüber, wie digitale Angebote wahrgenommen, verstanden und genutzt werden, und machen Verständnishürden sowie Nutzungskontexte sichtbar, die aus professionellen oder technischen Blickwinkeln häufig nicht erkennbar sind.

Gleichzeitig ist Partizipation mit spezifischen organisatorischen Anforderungen verbunden, die über inhaltliche oder methodische Fragen hinausgehen und auf allen Stufen der Beteiligung anfallen. Beteiligungsformate finden in der Praxis häufig in Präsenz statt, da digitale Formate selbst zusätzliche Barrieren mit sich bringen können, etwa im Umgang mit Technik, bei der Orientierung in Videokonferenzen oder in der Kommunikation in größeren Gruppen. Präsenztreffen ermöglichen eine direktere Interaktion, erleichtern Verständigung und schaffen verlässlichere Rahmenbedingungen für Austausch und Entscheidungsprozesse.

Der organisatorische Aufwand zeigt sich dabei insbesondere in der Vorbereitung und Koordination der Treffen. Terminabsprachen erfordern häufig persönliche Kontaktaufnahme, wiederholte Erinnerungen und flexible Anpassungen. Absprachen lassen sich nicht ohne Weiteres über standardisierte digitale Wege organisieren, sondern benötigen Zeit und individuelle Begleitung. Diese Aspekte sind für das Gelingen partizipativer Prozesse zentral, werden in der Planung jedoch häufig unterschätzt.

2.3Begründung partizipativer Ansätze in der barrierefreien Gestaltung

Partizipative Ansätze tragen dazu bei, Anforderungen barrierefreier digitaler Angebote an konkreten Nutzungserfahrungen auszurichten. So werden Bedarfe sichtbar, die aus fachlichen oder technischen Perspektiven häufig nicht erkannt oder nicht berücksichtigt werden. Gleichzeitig ermöglichen partizipative Verfahren eine frühzeitige Überprüfung von Konzepten und unterstützen die Entwicklung tragfähiger Lösungen.

Darüber hinaus steht Partizipation in engem Zusammenhang mit dem Anspruch auf Selbstbestimmung. Die Möglichkeit, eigene Perspektiven einzubringen und an Entscheidungen mitzuwirken, eröffnet zusätzliche Handlungsspielräume und kann dazu beitragen, bestehende Machtasymmetrien zumindest zu reflektieren.

3Partizipative Umsetzung im Projekt #LeichtOnline

Die bisherigen Überlegungen verdeutlichen, dass Partizipation bewusst gestaltet werden muss, um wirksam zu sein. Wie sich diese Anforderungen in der Praxis umsetzen lassen, zeigt das Projekt #LeichtOnline, das Beteiligung als kontinuierliches Strukturprinzip in der Entwicklung und Bewertung digitaler Angebote verankert.

Partizipation ist dabei kein projektbezogenes Zusatzinstrument, sondern ein grundlegendes Leitprinzip der Lebenshilfe Hamburg. Während Partizipation in fachlichen und gesellschaftlichen Kontexten zunehmend als Merkmal zur Qualitätssteigerung wahrgenommen wird, ist sie im Verband seit vielen Jahren politisch verankert und Teil der gelebten Praxis. Diese Haltung prägt die Art und Weise, wie mit Menschen mit Lernbehinderung gearbeitet wird, und bildet auch die Grundlage für die partizipative Ausrichtung des Projekts #LeichtOnline.

3.1Projektkontext und Zielsetzung

Ausgangspunkt des Projekts #LeichtOnline der Lebenshilfe Hamburg ist unter anderem die Feststellung, dass bestehende gesetzliche und normative Regelungen zur digitalen Barrierefreiheit wie die Barrierefreie-Informationstechnik-Verordnung (BITV 2.0) oder die Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) nur begrenzt Aussagen darüber treffen, wie digitale Angebote für Menschen mit Lernbehinderung tatsächlich nutzbar gestaltet werden können. Während formale Anforderungen vor allem technische Aspekte adressieren, fehlen bislang belastbare Kriterien, die sich an den konkreten Nutzungserfahrungen dieser Zielgruppe orientieren.

Diese Leerstelle ist auch darauf zurückzuführen, dass es bislang nur wenige systematische Untersuchungen zum digitalen Nutzungsverhalten von Menschen mit Lernbehinderung gibt. Entsprechend fließen ihre Perspektiven in gesetzliche Vorgaben, Prüfkriterien und Gestaltungsleitlinien bislang nur eingeschränkt ein. Das Projekt #LeichtOnline setzt an dieser Stelle an und verfolgt das Ziel, durch partizipative Untersuchungen Erkenntnisse zu gewinnen, die über einzelne Angebote hinausweisen.

Digitale Barrierefreiheit wird im Projekt nicht ausschließlich als technische Eigenschaft verstanden, sondern als Frage der tatsächlichen Nutzbarkeit aus Sicht der Zielgruppe. Der Fokus liegt auf strukturellen Aspekten wie Navigation, Seitenstruktur und Orientierung, die für eine selbstständige Nutzung digitaler Angebote eine zentrale Rolle spielen.

Diese Beobachtung verweist auf Grenzen regelbasierter Bewertungsansätze. Bestehende Standards definieren wichtige Mindestanforderungen, liefern jedoch nur begrenzt Hinweise darauf, ob digitale Angebote für Menschen mit Lernbehinderung selbstständig und zielgerichtet nutzbar sind. Insbesondere strukturelle Anforderungen, die ein hohes Maß an Abstraktion oder Vorwissen voraussetzen, bleiben häufig unberücksichtigt.

Vor diesem Hintergrund zielt das Projekt #LeichtOnline nicht allein auf die Bewertung einzelner digitaler Angebote, sondern darauf, aus wiederkehrenden Nutzungserfahrungen von Menschen mit Lernbehinderung systematisch Erkenntnisse zu gewinnen. Auf dieser Grundlage wurde ein praxisorientierter Leitfaden entwickelt, der konkrete Kriterien und Handlungsempfehlungen zur Gestaltung digitaler Barrierefreiheit für diese Zielgruppe formuliert. Der Leitfaden adressiert insbesondere strukturelle Aspekte wie Navigation, Seitenaufbau und Orientierung und soll als Orientierungshilfe für die Entwicklung und Überarbeitung digitaler Angebote dienen.

Entsprechend ist der partizipative Ansatz im Projekt #LeichtOnline fest in der Projektstruktur verankert. Die Perspektiven von Menschen mit Lernbehinderung fließen systematisch in Bewertungs- und Entwicklungsprozesse digitaler Angebote ein.

3.2Projektbeirat als strukturierendes Beteiligungsformat

Ein zentrales Element der partizipativen Projektarbeit im Projekt #LeichtOnline ist ein Projektbeirat, der sich aus sechs bis sieben Menschen mit Lernbehinderung zusammensetzt. Der Beirat ist von Beginn an in das Projekt eingebunden und begleitet es kontinuierlich über die gesamte Projektlaufzeit hinweg. Die Mitglieder treffen sich mehrmals im Jahr und wirken nicht nur beratend, sondern an zentralen inhaltlichen und strategischen Fragestellungen mit.

Die Arbeit des Projektbeirats lässt sich entlang der zuvor beschriebenen Stufen der Beteiligung einordnen. Die Treffen basieren auf einer kontinuierlichen und verständlichen Information über Ziele, Inhalte und den aktuellen Stand des Projekts. Darauf aufbauend bringen die Beiratsmitglieder ihre Einschätzungen, Erfahrungen und Prioritäten aktiv ein und wirken an der Ausgestaltung zentraler Fragestellungen mit.

Die Aufgabe des Projektbeirats besteht dabei nicht primär in der Bewertung einzelner digitaler Angebote. Vielmehr bringt der Beirat seine Perspektiven in grundlegende Entscheidungen des Projekts ein. Dazu gehört unter anderem die gemeinsame Einschätzung, welche Fragestellungen im Projekt untersucht werden sollen, welche Aspekte digitaler Barrierefreiheit aus Sicht der Zielgruppe besonders relevant sind und wie Untersuchungsgegenstände sinnvoll ausgewählt und gestaltet werden können. In diesen Bereichen findet Beteiligung nicht nur auf der Ebene der Mitwirkung, sondern auch in Ansätzen des Mitentscheidens statt.

Die Treffen finden in der Regel in Präsenz statt und werden moderiert. Inhalte und Fragestellungen werden vorab verständlich aufbereitet, etwa durch Leichte Sprache, Visualisierungen oder konkrete Beispiele. Im Austausch werden Einschätzungen, Erfahrungen und Prioritäten gemeinsam besprochen und dokumentiert.

Die Rückmeldungen des Projektbeirats fließen fortlaufend in die strategische Ausrichtung des Projekts ein. Sie beeinflussen unter anderem die Auswahl und Ausgestaltung von Usability-Tests sowie die Weiterentwicklung der im Projekt verwendeten Methoden. Der Projektbeirat fungiert damit als dauerhaftes Korrektiv, das fachliche Annahmen überprüfbar macht und sicherstellt, dass die Perspektiven der Zielgruppe nicht nur punktuell, sondern strukturell in die Projektarbeit eingebunden sind.

3.3Usability-Tests als partizipatives Verfahren

Ergänzend zur Arbeit des Projektbeirats werden im Projekt #LeichtOnline regelmäßig Usability-Tests durchgeführt, an denen Menschen mit Lernbehinderung aktiv beteiligt sind. Die Tests dienen dazu, digitale Angebote aus der Perspektive der tatsächlichen Nutzung zu untersuchen und strukturelle Barrieren sichtbar zu machen, die sich mit formalen Prüfverfahren allein nicht erfassen lassen.

Die Usability-Tests finden in Einzelsettings statt und orientieren sich an alltagsnahen Nutzungssituationen. Die Teilnehmenden bearbeiten typische Aufgaben, etwa das Auffinden bestimmter Informationen oder das Navigieren zwischen verschiedenen Seiten. Die Aufgabenstellungen sind bewusst offen gehalten, um individuelles Vorgehen zu ermöglichen und nicht bestimmte Lösungswege vorzugeben. Auf diese Weise wird sichtbar, wie Orientierung entsteht, welche Erwartungen an Strukturen bestehen und an welchen Stellen Unsicherheiten oder Abbrüche auftreten.

Während der Tests werden Nutzungshandlungen beobachtet und durch Kommentare, Nachfragen und sichtbare Irritationen ergänzt. Die Begleitung erfolgt unterstützend, ohne steuernd einzugreifen. Rückfragen der Teilnehmenden werden aufgegriffen, ohne die Bearbeitung vorwegzunehmen. Diese Vorgehensweise ermöglicht Beteiligung vor allem auf der Stufe des Mitwirkens, da die Teilnehmenden ihre Einschätzungen unmittelbar in den Nutzungssituationen einbringen können.

Die Auswertung der Tests erfolgt qualitativ und konzentriert sich auf wiederkehrende Muster, typische Orientierungsschwierigkeiten und strukturelle Barrieren. Im Mittelpunkt stehen weniger einzelne Fehler oder Leistungsunterschiede als vielmehr Fragen danach, welche Gestaltungsentscheidungen selbstständige Nutzung unterstützen oder erschweren. Die Ergebnisse haben gezeigt, dass Nutzungshürden häufig nicht auf Inhalte beschränkt sind, sondern aus komplexen Navigationslogiken, uneindeutigen Bezeichnungen oder fehlenden Orientierungspunkten resultieren.

Die gewonnenen Erkenntnisse werden im Projektteam sowie im Austausch mit dem Projektbeirat reflektiert und in die Weiterentwicklung der Projektarbeit eingebunden. Auf diese Weise werden individuelle Nutzungserfahrungen in übergreifende Erkenntnisse überführt, die in die Entwicklung des Leitfadens und der darin formulierten Kriterien einfließen. Die Usability-Tests sind damit nicht als isoliertes Prüfverfahren angelegt, sondern als integraler Bestandteil eines partizipativen Erkenntnisprozesses.

3.4Erfahrungen und Erkenntnisse aus der partizipativen Arbeit

Die Erfahrungen aus dem Projekt #LeichtOnline verdeutlichen, welche zentrale Rolle die aktive Beteiligung von Menschen mit Lernbehinderung für die Projektarbeit spielt. Die eingebrachten Rückmeldungen und Einschätzungen eröffneten Perspektiven auf Nutzungshürden und Anforderungen, die ohne diese Beteiligung nicht sichtbar geworden wären und die maßgeblich zur inhaltlichen Qualität der Ergebnisse beigetragen haben.

Diese Form der Zusammenarbeit ist jedoch voraussetzungsreich. Partizipative Arbeit erfordert Zeit, verlässliche Strukturen und einen hohen organisatorischen Aufwand. Beteiligungsformate müssen vorbereitet, begleitet und nachbereitet werden. Dazu zählen unter anderem eine verständliche Aufbereitung von Inhalten, persönliche Ansprache, aufwendige Terminabstimmungen sowie wiederholte Klärungen. Diese Anforderungen ziehen sich durch alle Stufen der Partizipation und lassen sich nur begrenzt standardisieren.

Im Projektverlauf wurde deutlich, dass auch Erwartungen an die Beteiligung selbst Teil dieses Prozesses sind. Sowohl für die beteiligten Menschen mit Lernbehinderung als auch für das Projektteam musste sich schrittweise klären, welche Rolle der Beteiligung zukommt, wo Einfluss tatsächlich möglich ist und wie Rückmeldungen in Entscheidungen und Arbeitsprozesse einfließen. Diese Klärungen erwiesen sich als notwendig, damit Beteiligung nicht nur formal stattfindet, sondern als sinnvoll und wirksam erfahren werden konnte.

Vor diesem Hintergrund zeigte sich Partizipation als lernender Prozess. Sowohl die beteiligten Menschen mit Lernbehinderung als auch das Projektteam entwickelten im Verlauf der Zusammenarbeit ein zunehmendes Verständnis dafür, wie Beteiligung konkret gestaltet werden kann. Vorgehensweisen wurden gemeinsam erprobt, reflektiert und angepasst. Der Weg zur Partizipation war damit selbst partizipativ angelegt und trug dazu bei, Vertrauen aufzubauen, Handlungssicherheit zu gewinnen und gemeinsame Routinen zu entwickeln.

Die im Projekt gewonnenen Erkenntnisse lassen sich nicht eins zu eins auf andere Kontexte übertragen. Sie bieten keine abschließenden Lösungen, sondern Orientierungspunkte, die jeweils an konkrete Nutzungssituationen angepasst werden müssen. Auch diese Begrenzung gehört zu den Erfahrungen aus der partizipativen Arbeit und unterstreicht die Bedeutung kontinuierlicher Beteiligung bei der Entwicklung barrierefreier digitaler Angebote.

4Qualität durch Beteiligung: Diskussion und Ausblick

Die im Projekt #LeichtOnline gewonnenen Erfahrungen zeigen, dass sich die Qualität barrierefreier digitaler Angebote nicht allein über technische oder normative Vorgaben bestimmen lässt. Regelwerke und Standards bilden eine notwendige Grundlage, reichen jedoch nicht aus, um Aussagen über tatsächliche Nutzbarkeit und Verständlichkeit zu treffen – insbesondere für Menschen mit Lernbehinderung. Viele relevante Hürden werden erst im konkreten Nutzungshandeln sichtbar, etwa bei der Orientierung, beim Navigieren oder beim Einordnen von Informationen.

Vor diesem Hintergrund kommt der Partizipation eine zentrale Bedeutung zu. Die systematische Einbindung von Menschen mit Lernbehinderung ermöglicht es, digitale Angebote aus der Perspektive der tatsächlichen Nutzung zu betrachten und Annahmen über Verständlichkeit und Nutzbarkeit zu überprüfen. Beteiligung wird damit zu einer Voraussetzung, um strukturelle Barrieren erkennen und bewerten zu können, die in formalen Prüfverfahren unberücksichtigt bleiben.

Gleichzeitig zeigen die Erfahrungen aus #LeichtOnline, dass partizipative Verfahren keine eindeutigen oder allgemein übertragbaren Lösungen hervorbringen. Rückmeldungen sind kontextabhängig, teils widersprüchlich und erfordern Einordnung. Diese Offenheit ist jedoch kein Defizit, sondern Ausdruck realer Nutzungssituationen und damit ein zentraler Bestandteil qualitativer Bewertung.

Besonders deutlich wird dies im Zusammenhang mit dem zunehmenden Einsatz KI-gestützter Systeme, etwa zur Textvereinfachung oder zur Unterstützung barrierefreier Gestaltung. Automatisierte Verfahren können Entwicklungsprozesse erleichtern und als Ausgangspunkt dienen. Ohne die Rückbindung an die Perspektiven der Zielgruppe besteht jedoch die Gefahr, formale Plausibilität mit tatsächlicher Verständlichkeit gleichzusetzen. Partizipation übernimmt hier die Funktion eines notwendigen Korrektivs.

Insgesamt macht das Projekt #LeichtOnline deutlich, dass digitale Barrierefreiheit für Menschen mit Lernbehinderung nur dann nachhaltig umgesetzt werden kann, wenn Beteiligung strukturell verankert ist. Partizipation erfordert Zeit, Ressourcen und die Bereitschaft, Prozesse offen zu gestalten. Zugleich ermöglicht sie eine Form der Qualitätsentwicklung, die digitale Angebote an realen Nutzungserfahrungen ausrichtet.

Die im Projekt #LeichtOnline gewonnenen Erfahrungen verdeutlichen, dass Qualität barrierefreier digitaler Angebote nicht allein aus technischen oder normativen Vorgaben abgeleitet werden kann. Vielmehr entsteht Qualität im Zusammenspiel von formalen Standards, technischer Umsetzung und der Perspektive derjenigen, die digitale Angebote tatsächlich nutzen. Gerade diese Perspektive entscheidet darüber, ob Barrierefreiheit im Alltag wirksam wird.

Literatur:

Britt Uhlenbrok Jensen, Business Administration (B.A.), Project Management
#LeichtOnline – Between formal accessibility and actual usability
Abstract

The design of accessible digital services is often guided by normative requirements and technical standards such as BITV 2.0 and the Web Content Accessibility Guidelines (WCAG). In practice, however, compliance with formal requirements does not necessarily result in comprehensible and independent use, particularly for people with learning disabilities. This article takes this discrepancy as its point of departure and argues that the quality of accessible digital services emerges only through the interplay of formal standards, technical implementation, and users’ perspectives.
The #LeichtOnline project illustrates how participation can be established as a continuous structural principle in the development and evaluation of digital services. Insights gained from the project advisory board and usability tests show that key barriers to understanding—such as those related to navigation, page structure, and orientation—often only become visible through the active involvement of the target group. At the same time, participatory work itself emerges as a learning process that requires time, resources, and appropriate framework conditions.
Against this background, participation gains particular importance in the context of AI-supported systems. It serves as a necessary corrective to ensure that formal accessibility is not equated with actual comprehensibility and that digital services are aligned with real-world use contexts.
1. Introduction
The design of accessible digital services is increasingly shaped by normative requirements, technical standards, and formal criteria. Regulations such as the German Accessibility of Information Technology Ordinance (Barrierefreie-Informations-Technik-Verordnung, BITV 2.0) and the Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) play a key role in defining the minimum legal and technical requirements for digital accessibility. For certain types of disabilities – particularly those affecting perception or motor skills – these requirements already lead to noticeable improvements in accessibility. This is largely because such barriers can often be clearly described in technical terms and addressed through standardized solutions. At the same time, practical experience shows that compliance with these requirements does not necessarily result in actual usability for all target groups. People with learning disabilities in particular continue to encounter significant barriers to understanding, especially with regard to navigation, page structure, and orientation even when digital services are formally accessible.
In this context, participation has increasingly moved to the center of professional debate. Rather than being understood solely as a normative requirement or expression of inclusion, it is also seen as a means of aligning digital services with real-world use experiences. By systematically involving users, assumptions about comprehensibility, usability, and relevance can be examined and further developed.
This article builds on this perspective by treating participation as a quality criterion for accessible digital services, with a particular focus on people with learning disabilities. After defining the term “participation” and outlining specific requirements for participatory processes, the #LeichtOnline project is used to illustrate how participatory approaches can be implemented in practice. The aim is to demonstrate how continuous participation can contribute to quality assurance, particularly where formal criteria reach their limits.
2. Participation as a quality criterion for accessible services
2.1 Concept and understanding of participation
In recent years, participation has become a central concept in the development of political, social, educational, and digital services. This refers not merely to the presence or consultation of target groups, but to their active involvement in decision-making and design processes. In professional discourse, participation is often described as a multi-level concept, distinguished mainly by the degree of actual influence participants have over decisions.
In many contexts, tiered models are used to classify participation, by distinguishing different forms and degrees of participation. In practical contexts, such models are often simplified to make participation processes more manageable. Following this approach, the distinction between informing, participating, and shared decision-making is used primarily as a structural guide.
The three stages can be described as follows:
Informing refers to the transparent communication of goals, content, and decision-making frameworks.
Active involvement encompasses forms of participation in which feedback can be given, evaluations can be made, or suggestions can be submitted.
Shared decision-making describes forms of participation in which those involved have a genuine influence over decisions or priorities.
For the development of accessible digital services, this differentiation is helpful in that it makes clear that participation cannot be understood as a binary state (“participating”/“not participating”). At the same time, it becomes evident that the concrete design of the individual stages depends heavily on the respective context and the target groups involved. A comparable understanding can also be found in user-centered design approaches, which regard users’ perspectives as the basis for viable solutions.
2.2 Participation of people with learning disabilities
The inclusion of people with learning disabilities in participatory processes places specific demands on how such processes are designed. The stages of participation outlined above differ less in their underlying logic than in the ways in which they are made accessible and feasible in practice. In their conventional form, participatory processes are often not accessible themselves and are associated with a high level of complexity. This results in additional barriers, such as abstract procedures, assumed prior knowledge, or forms of communication that are difficult to access. In practice, it therefore becomes clear that participation often does not fail due to a lack of interest, but rather because of inadequately adapted structural, communicative, or institutional framework conditions.
Even the stage of informing requires information to be prepared in a comprehensible, transparent, and dialogical manner, particularly in easy-to-read language. In this context, informing is not a one-time step, but an ongoing process that allows for questions, repetitions, and joint clarifications. Information must be presented in such a way that makes goals, procedures, and decision-making frameworks understandable. Only when those involved understand what is at stake and the role they can play does participation become possible.
Forms of participation also depend on supportive conditions. Feedback often does not emerge spontaneously, but develops over the course of working together. Time to understand, reflect, and articulate one’s own assessments is central to this process. Short deadlines, abstract questions, or highly condensed formats can make participation more difficult. Moderation, repetition, follow-up questions, and making contributions visible—for example, through visualizations or summaries—help to enable participation and incorporate different perspectives.
It is also important to consider that many people with learning disabilities have had only limited experience of participating in decision-making and planning processes. Decisions have often been made without their involvement, or they have had only limited influence over them. These experiences shape expectations, role understanding, and confidence in participatory situations. In this context, reserved, hesitant, or uncertain behavior should not be interpreted as a lack of interest, but rather as an understandable consequence of limited participatory experience and the result of long-standing processes of exclusion.
Participation also requires certain competencies, such as the ability to articulate one’s own assessments, compare alternatives, or identify priorities. These competencies cannot be assumed, but often develop only through continuous participation. Participation is therefore not only a methodological approach, but also a learning and developmental process that requires time, repetition, and reliable framework conditions.
Special requirements arise in forms of shared decision-making. Decision options and their possible consequences must be presented in a comprehensible way and jointly contextualized. The aim is to identify information that is relevant to decisions, prepare it in an understandable manner, and present it in context so that decision options become meaningful and transparent.
In this context, the perspectives of people with learning disabilities should not be understood as merely subjective expressions of opinion, but rather as an independent form of experiential and use-based expertise. They provide insight into how digital services are perceived, understood, and used, and make visible barriers to understanding and use contexts that are often not apparent from professional or technical perspectives.
At the same time, participation entails specific organizational requirements that extend beyond questions of content or methodology and apply across all stages of participation. In practice, participation formats often take place in person, as digital formats can themselves introduce additional barriers – for example in dealing with technology, navigating video conferences, or communicating in larger groups. Face-to-face meetings allow for more direct interaction, facilitate mutual understanding, and provide more reliable conditions for exchange and decision-making.
The organizational effort involved becomes particularly apparent in the preparation and coordination of meetings. Scheduling often requires personal contact, repeated reminders, and flexible adjustments. Such arrangements cannot easily be managed through standardized digital channels, but instead require time and individual support. These aspects are central to the success of participatory processes, yet are frequently underestimated in planning.
3. Justification for participatory approaches in accessible design
Participatory approaches help to align the requirements of accessible digital services with concrete use experiences. In doing so, they make needs visible that are often not recognized or taken into account from professional or technical perspectives. At the same time, participatory approaches enable the early review of concepts and support the development of practical solutions.
This highlights the need for participation to be consciously designed in order to be effective. The #LeichtOnline project illustrates how these requirements can be implemented in practice by anchoring participation as a continuous structural principle in the development and evaluation of digital services.
Participation is not an additional project-related tool, but a fundamental guiding principle of Lebenshilfe Hamburg. While participation is increasingly recognized as a quality-enhancing feature in professional and social contexts, it has been politically embedded within the organization for many years and forms part of everyday practice. This orientation shapes how people with learning disabilities are engaged and provides the foundation for the participatory approach of the #LeichtOnline project.
Beyond this, participation is closely linked to the principle of self-determination. The opportunity to contribute one’s own perspectives and to be involved in decision-making opens up additional scope for action and can help to reflect existing power asymmetries.
3.1 Project context and objectives
One of the starting points of the #LeichtOnline project run by Lebenshilfe Hamburg is the observation that existing legal and normative regulations on digital accessibility, such as the German Accessibility of Information Technology Ordinance (BITV 2.0) and the Web Content Accessibility Guidelines (WCAG), offer only limited guidance on how digital services can be designed to be genuinely usable for people with learning disabilities. While formal requirements primarily address technical aspects, there is still a lack of reliable criteria that are grounded in the concrete use experiences of this target group.
This gap is also attributable to the fact that, to date, there have been only few systematic studies on the digital use behavior of people with learning disabilities. As a result, their perspectives have so far been incorporated into legal regulations, testing criteria, and design guidelines only to a limited extent. The #LeichtOnline project addresses this gap and aims to generate insights through participatory research that go beyond individual services.
Within the project, digital accessibility is not understood solely as a technical characteristic, but rather as a question of actual usability from the perspective of the target group. The focus lies on structural aspects such as navigation, page structure, and orientation that play a central role in the independent use of digital services.
This observation highlights the limitations of rule-based evaluation approaches. Existing standards define important minimum requirements, but provide only limited indications of whether digital services can in fact be used independently and purposefully by people with learning disabilities. In particular, structural requirements that presuppose a high level of abstraction or prior knowledge are often insufficiently addressed.
Given these considerations, the #LeichtOnline project does not aim solely to evaluate individual digital services. Instead, it seeks to systematically derive insights from recurring use experiences of people with learning disabilities. On this basis, a practice-oriented guide was developed that formulates concrete criteria and recommendations for the design of digital accessibility for this target group. The guideline focuses in particular on structural aspects, such as navigation, page layout, and orientation, and is intended to support the development and revision of digital services.
Accordingly, the participatory approach is firmly embedded in the project structure of #LeichtOnline. The perspectives of people with learning disabilities are systematically incorporated into the evaluation and development processes of digital services.
3.2 Project advisory board as a structuring participatory format
A central element of participatory project work in the #LeichtOnline project is a project advisory board composed of six to seven people with learning disabilities. The advisory board has been involved in the project from the outset and accompanies it continuously throughout its entire duration. The members meet several times a year and contribute not only in an advisory capacity, but also to key substantive and strategic issues.
The work of the project advisory board can be situated within the stages of participation outlined above. The meetings are based on continuous and comprehensible provision of information about the project’s goals, content, and current status. On this basis, advisory board members actively contribute their assessments, experiences, and priorities and take part in shaping key issues.
The primary role of the project advisory board is not to evaluate individual digital services. Instead, the advisory board brings its perspectives into fundamental project-level decisions. This includes, among other things, jointly assessing which issues should be examined in the project, which aspects of digital accessibility are particularly relevant from the target group’s perspective, and how research topics can be meaningfully selected and designed. In these areas, participation takes place not only at the level of involvement, but also through approaches to shared decision-making.
Meetings are usually held in person and are facilitated through moderation. Content and questions are prepared in advance in a comprehensible manner, for example using easy-to-read language (E2R, corresponding to German Leichte Sprache), visualizations, or concrete examples. During the exchange, assessments, experiences, and priorities are discussed jointly and documented.
Feedback from the project advisory board is continuously integrated into the strategic orientation of the project. Among other things, it informs the selection and design of usability tests as well as the further development of the methods used in the project. In this way, the advisory board functions as a permanent corrective, making professional assumptions open to scrutiny and ensuring that the perspectives of the target group are integrated into the project work not merely on an ad hoc basis, but structurally.
3.3 Usability testing as a participatory method
In addition to the work of the advisory board, the #LeichtOnline project regularly conducts usability testing with the active participation of people with learning disabilities. The tests are used to examine digital services from the perspective of actual use and to identify structural barriers that cannot be captured through formal evaluation procedures alone.
Usability testing is conducted in individual settings and is oriented toward everyday use situations. Participants work on typical tasks, such as locating specific information or navigating between different pages. The tasks are deliberately kept open-ended in order to allow for individual approaches and to avoid prescribing specific solutions. This makes it possible to observe how orientation develops, what expectations exist regarding structures, and where uncertainties or breakdowns occur.
During the tests, user actions are observed and complemented by comments, follow-up questions, and visible signs of irritation. Support is provided in a facilitative manner, without intervening in a controlling way. Questions raised by participants are addressed without anticipating the outcome. This approach enables participation primarily at the level of active involvement, as participants can contribute their assessments directly within the use situations.
The tests are analyzed qualitatively, with a focus on recurring patterns, typical orientation difficulties, and structural barriers. Rather than concentrating on individual errors or performance differences, the analysis centers on questions of which design decisions support or hinder independent use. The findings show that barriers to use are often not limited to content, but instead result from complex navigation logic, ambiguous labels, or a lack of orientation cues.
The findings are discussed within the project team and in exchange with the project advisory board, and are incorporated into the further development of the project work. In this way, individual use experiences are transformed into overarching insights that feed into the development of the guidelines and the criteria formulated within it. Usability testing is therefore not conceived as an isolated evaluation procedure, but as an integral part of a participatory process of knowledge generation.
3.4 Experiences and insights from participatory project work
Experiences gained from the #LeichtOnline project highlight the central role that the active participation of people with learning disabilities plays in project work. The feedback and assessments contributed perspectives on barriers to use and requirements that would not have become visible without this participation and that significantly enhanced the substantive quality of the results.
However, this form of cooperation is resource-intensive. Participatory work requires time, reliable structures, and considerable organizational effort. Participatory formats must be carefully prepared, supported throughout the process, and followed up. This includes, among other things, the comprehensible preparation of content, personal communication, extensive scheduling, and repeated clarifications. These requirements apply across all stages of participation and can be standardized only to a limited extent.
Over the course of the project, it became clear that expectations regarding participation itself are also part of this process. Both the people with learning disabilities involved and the project team had to gradually clarify the role participation would play, where influence was genuinely possible, and how feedback could be incorporated into decisions and work processes. These clarifications proved essential to ensure that participation was not merely formal, but could be experienced as meaningful and effective.
Against this background, participation emerged as a learning process. Over the course of their collaboration, both the people with learning disabilities involved and the project team developed an increasingly clear understanding of how participation can be meaningfully designed in practice. Approaches were jointly tested, reflected upon, and adjusted. The path toward participation was thus itself participatory, contributing to the development of trust, increased confidence in taking action, and the establishment of shared routines.
The findings generated within the project cannot be transferred directly to other contexts. They do not provide definitive solutions, but rather points of orientation that must be adapted to specific use situations. This limitation itself is part of the experience gained through participatory work and underscores the importance of continuous participation in the development of accessible digital services.
4. Quality through participation: Discussion and outlook
Experience from the #LeichtOnline project demonstrates that the quality of accessible digital services cannot be determined solely on the basis of technical or normative specifications. Regulations and standards provide a necessary basis, but they are not sufficient to assess actual usability and comprehensibility—particularly for people with learning disabilities. Many relevant barriers only become visible in concrete use situations, for example when orienting oneself, navigating, or making sense of information.
These findings underscore the central role of participation in assessing accessibility. The systematic involvement of people with learning disabilities makes it possible to examine digital services from the perspective of actual use and to test assumptions about comprehensibility and usability. Participation thus becomes a prerequisite for identifying and assessing structural barriers that are not addressed in formal evaluation procedures.
At the same time, experience from the #LeichtOnline project shows that participatory processes do not produce clear-cut or universally applicable solutions. Feedback is context-dependent, sometimes contradictory, and requires interpretation. This openness, however, is not a shortcoming, but rather reflects real-world use situations and thus a central element of qualitative evaluation.
This becomes particularly evident in the context of the increasing use of AI-supported systems, for example for text simplification or to support accessible design. Automated processes can facilitate development and serve as a starting point. Without being anchored in the perspectives of the target group, however, there is a risk of equating formal plausibility with actual comprehensibility. Participation therefore assumes the role of a necessary corrective.
Overall, the #LeichtOnline project demonstrates that sustainable digital accessibility for people with learning disabilities cannot be achieved solely through technical or normative specifications. Rather, quality arises from the interplay of formal standards, technical implementation, and the perspectives of those who actually use digital services. Structurally anchored participation is therefore not an optional addition, but a prerequisite for ensuring that accessibility is effective in everyday use and aligned with real-world user experiences.

Literature:
• Project Homepage #LeichtOnline: https://lo.lhhh.de
• #LeichtOnline Guideline: https://leitfaden.leicht-fuer-alle.de/leitfaden/erfolgskritierien/